Projektförderungen

Streicherklassen in Bad Soden, Unterliederbach und Schwalbach

Das Konzept

Das Konzept der Streicherklassen wurde von Paul Rolland, in seiner Tätigkeit als Professor für Violine und Violindidaktik an der Universität in Illinois entwickelt und hat die Ergebnisse in einem umfangreichen pädagogischen Werk vorgelegt.

Diese Unterrichtsform basiert auf der Erkenntnis, dass alle Streichinstrumente gemäß ihrer gleichen Bauart auch mit prinzipiell gleichen Bewegungen gespielt werden. Alle streicherspezifischen Bewegungen werden dabei aus Alltagsbewegungen abgeleitet und durch allmähliches Verfeinern entwickelt, z.B. von Großen zu kleinen Bewegungen fortschreitend. Dies ist auch nach neusten physiologischen und lernpsychologischen Erkenntnissen eine besonders erfolgversprechende Vorgehensweise.

Kinder können in der Streicherklasse von Beginn an musikalische Erlebnisse haben und als MusikerInnen agieren. Das wichtigste Grundprinzip dieses Unterrichtes lautet: Teach Music Through Music. Dementsprechend wird jede neue Übung, jeder Schritt in Richtung auf eine neue instrumentale Technik als Musik Präsentiert und als Orchesterklang erfahren. Zugleich hat diese Unterrichtsform den Anspruch, jede Instrumentengruppe in gleicher Weise und gleichem Umfang zu fordern und zu fördern. Dies erfordert kleinschrittiges Vorgehen.

Langzeitstudien haben bewiesen, dass Musizieren wie kaum etwas anderes die kognitiven und sozialen, die emotionalen und kreativen Fähigkeiten gleichermaßen umfassend fördert. Durch die Verbindung von Anforderungen im körperlichen (Bewegungsschulung, besondere Entwicklung der Feinmotorik) und geistigen Bereich (Gehörbildung, allgemeine Musiklehre) stellt dieser Unterricht fast den Idealfall eines ganzheitlich angelegten Unterrichts dar.

Grundprinzipien der Rolland-Methode:

Die Ersten Wochen

Am Anfang nun des neuen Schuljahres werden den Schülern der neuen Streicherklasse ausführlich die Eigenarten der vier verschieden Streichinstrumente im Unterricht nahe gebracht.

Es stehen zur Auswahl die Violine, die Bratsche oder Viola genannt, das Violoncello und der Kontrabass. In einer besonderen Doppelstunde werden professionelle Musiker eingeladen, die den Schülern meisterhaft ihr Instrument vorspielen und vorstellen.

Anschließend können die Schüler unter Anleitung der Musiker die Instrumente ausprobieren und Fragen stellen. Jetzt dürfen die Schüler auf einem Wahlzettel nun ihre Lieblingsinstrumente wählen.

Methodik

Eine Streicherklassenstunde setzt sich aus mehreren kleinen Einheiten zusammen, in denen unterschiedliche Themen bearbeitet werden.

Eine Unterrichtseinheit sollte 2 – 7, auf keinen Fall mehr als 10 Minuten beanspruchen und aus unterschiedlichen Bereichen ausgewählt sein. Dies ist förderlich für Konzentration und Merkfähigkeit. Am Ende jeder Unterrichtseinheit steht ein klingendes Ergebnis. Methodenvielfalt reizt zu engagierter Mitarbeit an.

Bei der Auswahl der Unterrichtsthemen sollten folgende Bereiche beachtet werden:

  • Aufbau der Spieltechnik
  • Musiktheorie
  • Gehörbildung
  • Rhythmustraining
  • Singen
  • Präsentieren

Mögliche Methoden, hier dargestellt am Beispiel der Erarbeitung eines neuen Liedes:

Rhythmus

  • Sprechrhythmus des Liedtextes
  • Rhythmussprache Vor- und Nachklatschen
  • Bodypercussion
  • Bewegung im Raum
  • Notenbild

Melodie

  • Singen
  • Griffschema
  • Griffschrift
  • Solmisation
  • Fingersätze singen
  • Fingersätze in der Luft greifen

Die ausgewählten Methoden müssen dem Alter und dem Leistungsstand der Kinder sowie dem Musikstück angemessen sein.

Allgemeine Lernziele

Persönlichkeitsförderung durch

  • Selbständige Arbeit
  • Gruppenfähigkeit
  • Entwicklung der Wahrnehmungsfähigkeit (Hören, Sehen, Tasten, Gleichgewicht)
  • Erwerb von allgemeinen, fachübergreifenden Arbeitstechniken
  • Verknüpfung von Intellekt, Emotion und Motorik

Fachliche Lernziele

  • Grundkenntnisse über Streichinstrumente
  • Einfache, korrekte Spieltechnik
  • Erkennen, Benennen und Umsetzen der Parameter (Tonhöhe, Tondauer, Lautstärke, Klangfarbe)
  • Kindgerechte emotionale Gestaltung
  • Mitwirkung im Orchester
  • Begabungsfindung
  • Förderung von Lesen,Schreiben, Sprechen und Rechnen

Lerninhalte

  • Lieder vom Prim- bis zum Nonen-Bereich
  • Tetrachorde als Tonleitervorbereitung
  • Notensystem, „Notenrechnen“
  • Dynamik, Artikulation
  • Notation
  • Transponieren in benachbarte Tonarten

Methodik des Lehrwerks

  • Saitenfarben
  • Systematische Einführung von Noten und Notenschrift über das Liedmaterial
  • Rechte Hand Leere Saitenlieder, Saitenwechsel, erste Stricharten, Halb-, Ganzbogenstriche nur Abstriche oder nur Aufstriche, etc.
  • Linke Hand Aufbau des Greifens erfolgt über die leere Saite

Lehr- und Unterrichtsmethode

am Instrument

  • Kennen lernen der Instrumente
  • Instrumentenwahl
  • Instrumentenhaltung
  • Bogenhaltung
  • Zusammenspiel
  • gemeinsames Klangerlebnis

Instrumentenwahl

  • Instrumenten Kreis
  • Klangfarbe wahrnehmen
  • „hoch – tief“- Erfahrung
  • Haptische Erfahrung
  • Hören – Fühlen –Sehen –Benennen
  • Namen, Teile

Instrumentenhaltung

Binnendifferenzierung nach Instrument

  • Gruppenarbeit
  • Gitarrenhaltung – „Geigennest“ – Endhaltung
  • Bass-Balance
  • Aufrechtes Sitzen beim Cello

Bogenhaltung

  • Griff aus der Entspannung
  • Hilfestellung durch Filzring
  • Binnendifferenzierung nach Instrument
  • Einzelhilfe durch freie Lehrkraft
  • Vielfältige Schwungübungen

Was schließt sich an die Streicherklasse nach 2 Jahren an?

Im Rahmen der Kooperation mit der Jugendmusikschule Schwalbach ist eine Weiterführung des Unterrichtes nach 2 Jahren möglich. Darüber hinaus bietet das Jugend- und Kinderorchester Bad Soden die Möglichkeit, das Erlernte im Orchester einzubringen und weiterzuentwickeln.

Auswirkungen von Streicherklassenunterricht:

These:

Instrumentaler Klassenunterricht hat, durch verschiedene Studien nachgewiesene, positive Auswirkungen auf viele Bereiche: Die Persönlichkeitsentwicklung wird gefördert in Bezug auf Selbstbild (das besonders an weiterführenden Schulen), Kommunikationsfähigkeit und sozialer Kompetenz. Die Lernfähigkeit der Schüler in anderen Schulfächern verbessert sich bis hin zu einer nachweisbaren Steigerung des IQ. Streicherklassen sind darüber hinaus unentbehrlich für die Bewahrung und Aneignung des klassklassklassischen Musikerbes.

  1. Die "Bastian-Studie" Hans Günther Bastian, MUSIK(ERZIEHUNG) UND IHRE WIRKUNG. Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen (Schott Musik International) Mainz 2000, unter Mitarbeit von A. Kormann, R. Hafen und M. Koch
  2. Instrumentalunterricht für alle (Gerd Arendt); Gerd Arendt, Instrumentalunterricht für alle? Zur langfristigen Relevanz des Klassenmusizierens und der Notwendigkeit einer Reform des Musikunterrichts, Forum Musikpädagogik, Band 91, Wißner-Verlag Augsburg 2009
  3. Offene Ohren für Klassisches bewahren (Christoph Louven); Offene Ohren für Klassisches bewahren Eine Langzeitstudie zu den Auswirkungen des Klassenmusizierens auf den Musikgeschmack, Zusammen-fassung der Ergebnisse in der Neuen Musikzeitung, Ausgabe 04/10

Sie können die Ergebnisse unten stehende webseite detalierter nachlesen

http://www.streicherklassen.de/auswirkungen_von_streicherklassenunterricht.html