Projektförderungen

Die Auswirkungen von Corona auf die berufliche Situation freischaffender Musiker

von Claudia Schellenberger, Professorin an der Hochschule für Musik Mainz

Es brennt in der Kulturlandschaft, denn durch den 2. Lockdown sind freischaffende Musiker nicht arbeitslos, sondern von einem anhaltenden Arbeitsverbot akut betroffen. Eine repräsentative Umfrage zeigt, dass sich die Lebens- und Berufssituation freiberuflicher Musiker, also sogenannter „Soloselbständiger“ dramatisch verschlechtert hat. Viele haben keinerlei Rücklagen von ihren ohnehin nicht üppigen Honoraren aufbauen können, so dass sie im 1. Lockdown auf Hartz IV verwiesen wurden, um überhaupt ihre laufenden Kosten wie Miete usw. zahlen zu können. Auf unabsehbare Zeit fehlen die Einnahmen von Konzerten, welche in der Regel langfristig von Veranstaltern geplant werden, die aufwendigen Probenphasen vorher werden nicht vergütet.

Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines freischaffenden Musikers liegt bei ca. 13.000 Euro. Da fragt man sich, wie man davon überhaupt leben kann? Die meisten freischaffenden Musiker haben berufliche „Patchwork“-Situationen, d.h. ein paar Stunden an der Musikschule und Privatschüler plus Konzerte. Da nun praktisch alle Einnahmequellen versiegt sind, wird die finanzielle Situation für viele bedrohlich. Dramatisch ist die emotionale Belastung, da diese nicht selbstverschuldet ist und meist keine Alternativen zur Verfügung stehen. Trotzdem muss jeder Musiker/Sänger konstant weiterüben, um sich auf seinem Instrument „fit“ zu halten. Auch ohne Konzerte kann und darf man nicht aufhören, mehrere Stunden täglich intensiv zu proben.

Als Privatmusikerzieher ist man auf die Einnahmen der Schüler angewiesen, ein Teil möchte aber aus verschiedensten Gründen keinen Online-Unterricht wahrnehmen; manche Eltern können sich, bedingt durch Jobverlust oder Kurzarbeit, den Instrumentalunterricht ihrer Kinder schlicht nicht mehr leisten.

Das gleiche Problem betrifft Lehrkräfte an Musikschulen, Laienorchestern, Chorleiter, u.v.a., die seit März dieses Jahres keine Einnahmen mehr durch Proben generieren dürfen. Österliche Passionskonzerte sind genauso ersatzlos gestrichen worden, wie die nun anstehenden Weihnachtsoratorien. Beides ist im Jahresablauf nicht irgendwann reproduzierbar, aber die Sänger (Solisten) generieren einen großen Teil ihrer eingeplanten jährlichen Einnahmen genau aus diesen Konzerten.

Gerade in dieser schwierigen Zeit sind die Träger unseres Musiklebens unverschuldet in größte wirtschaftliche Not geraten. Wir, als Gesellschaft, sollten nun die Chance nutzen und uns ihnen gegenüber solidarisch zeigen und nach unseren Möglichkeiten durch verschiedene Aktionen unterstützen. Die Bad Sodener Musikstiftung gibt Ihnen dazu eine Möglichkeit und sie setzt ein leuchtendes Zeichen für den Willen, unser musikalisches Leben aufrechtzuerhalten.