Musik allein ist die Weltsprache und braucht nicht übersetzt zu werden,

da spricht Seele zu Seele.

Rede von Frau Schaan zur Einweihung des Klaviers am 24. April 2018 in der Drei-Linden-Schule

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kinder,

die Bad Sodener Musikstiftung Jürgen Frei und der Rotary Club Bad Soden-Königstein sind heute hier, um das von beiden Institutionen gemeinsam gespendete Klavier der 3-Linden-Schule übergeben zu können.
Ich begrüße unseren Nachbarn und Freund Peter Gatti, der seine Clubfreunde von dieser Spende überzeugt hat. Die Musikstiftung und der Rotary-Club haben je die Hälfte der € 2.000 für dieses gebrauchte, aber neuwertige Klavier aufgebracht.

Von unserem Stifter, Dr. Jürgen Frei, meinem Ehemann, der die Bad Sodener Musikstiftung mit seinem Geld und seinem Einsatz über bald 30 Jahre überhaupt erst möglich gemacht hat, darf ich Sie alle herzlich grüßen. Er musste leider nach Darmstadt zu einer schon lange feststehenden Vorstandssitzung der Dotter-Stiftung, einer der ganz großen deutschen Stiftungen, deren Vorstand er ist.

Wir sind zutiefst davon überzeugt, daß dieses Instrument der Schule einen großen Dienst erweisen wird, aber vor allen Dingen wird es den Kindern die Musik, die für ihre Seele und ihrer Phantasie so unerlässlich ist, näherbringen, ja, durch gemeinsames Musizieren und auch einfach der Musik lauschen, erlebbar machen.

Es ist ja in Langzeitstudien, z.B. von Günter Bastian,  nachgewiesen worden, dass aktive Musikausübung Kinder in ihrer emotionalen, ihrer sozialen und auch in ihrer intellektuellen Entwicklung sehr fördert.

Brauchen wir dazu aber wirklich ein echtes Klavier?
Sie kennen den Loriot-Sketch: Ein Klavier, ein Klavier, Mutti wir danken dir!
Sehr festlich und freudig klang dies nicht beim Sketch, denn der Satz musste hundert Mal wegen der privaten Filmaufnahmen, auch ein Teil des Sketches, wiederholt werden.

So kam man als Zuschauer des Stückes ins Grübeln: Ja, ist es denn wirklich etwas Feines, ein Klavier geschenkt zu bekommen? Oder klingt schon gleich in der inneren Stimme die Vorstellung von langem und zähem Üben mit?
Horrorgeschichten von untalentierten Klimperern gibt es zudem in jeder Familie. Teils war es der Horror beim Zuhören, teils der des Schülers vorm Üben.
Geschichten über die Liebe zum Instrument und zur Musik gibt es im täglichen Leben eher weniger.
Und gerade deshalb gehört ein richtiges, echtes Klavier eigentlich in jede Schule. Vor allem in die Grundschulen, um in den Kindern eben diese Liebe durch Vorspielen, Ausprobieren und Üben zu erwecken. Denn: was das Kind nicht kennt, dazu kann es später kaum noch einen Bezug entwickeln. Eine große Freude, nämlich die des Musizierens oder des Live-Musikhörens, wird ihm vorenthalten.

Was hat aber so ein Instrument, was nicht auch vom Band abgespielt werden könnte oder was man auf einem elektrischen Klavier nicht genauso gut spielen könnte?
Nun, es hat einen großen Resonanzraum, eine eigene Mechanik und eine Haptik. Das sagt erst einmal nicht viel, bedeutet aber einen großen Unterschied.
In einem Resonanzraum werden Schallwellen erzeugt, die dann nicht nur durch unser Ohr, sondern auch durch unseren eigenen Körper gehen und ihn mitschwingen lassen. Dies erzeugt ein ganz eigenes Erlebnis mit der Musik. Das kann ein elektrisches Klavier nicht; Der Schall kommt zwar an die Ohren, aber die Wellen gehen nicht durch den Körper, und auch der Raum schwingt nicht so mit wie bei einem Hohlraum.

Die Mechanik beim Klavier ist eine ganz eigene. Hämmerchen schlagen gegen die Saiten, die Saiten schwingen auf ganz eigene Art und Weise. Auch dies ist ein „Resonanz-Raum-Erlebnis“, welches das Ohr und die Fingerfertigkeit des Schülers schult. Es ist ein Unterschied, ob ich einen Klavierhammer anschlage oder durch mein Anschlagen auf einem E-Piano einen elektrischen Kontakt herstelle.
Die Haptik des Holzes – also das Gefühl beim Anfassen einer Sache - , die Tastatur mit verschiedenen Anschlagsmomenten gibt dem Klavierspieler nochmals ein eigenes Gefühl.
Deshalb ist es so wichtig, ein echtes Klavier im Klassenraum stehen zu haben, eben um die jungen Seelen zu berühren und ihnen das Gefühl der lebendigen Musik zu geben.

Dasselbe Prinzip des Klavieres kann man auch auf das Cello übertragen. Der schöne Ton wird durch den Resonanzkörper des Instrumentes erzeugt. Freuen Sie sich deshalb auch auf die letzte Darbietung der kleinen Einweihungsfeier, wenn Frau Olena Weißbrodt am Cello und Frau Oxana Grebneva am Klavier gemeinsam ein sehr berühmtes Stück spielen, nämlich „Der Schwan“ aus dem „Karneval der Tiere“ von Saint-Saens und achten Sie einmal beim Zuhören auch auf Schwingung und Resonanz und das WOHLGEFÜHL BEIM Zuhören.

Meinen letzten Gedanken möchte ich aber nochmals der Wichtigkeit der Musik an Schulen widmen, mit dem Appell an alle Eltern, ihre Kinder auch darin zu fördern.

Unsere Stiftung kennt durch die Zusammenarbeit mit einer anderen großen Stiftung eine Brennpunktschule mit 240 Kindern aus 40 Ländern. Die Kinder sind teils bettelarm und der Sprache kaum mächtig oder sie haben ein schlimmes Zuhause. Dies alles nicht weit von hier, mitten im Rhein-Main-Gebiet.  Was diese Kinder eint, was sie zusammenhält und als Gemeinschaft wachsen lässt, ist das gemeinsame Singen und das gemeinsame Musizieren, vor allem am Montagmorgen vor dem Unterricht. Es ist, das dürfen Sie mir glauben, das einzige Mittel, die Kinder nach dem Wochenende zu Hause ruhig und aufnahmefähig in ihre Klassen zu entlassen.

In der Pisa-Studie kommen solche „Soft Skills“ nicht vor, unsere Ahnen aber wussten um die Wichtigkeit der Musik und stellten sie der Mathematik als gleichwertig gegenüber. Tun Sie dasselbe!

Viva la Musica!

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Zwei neue Kindergartenchöre in Neuenhain: "Waldwiesel"-Kindergarten & "Drei Linden"-Kindergarten.